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Metropolregion Hamburg

  • Foto: Holger Arlt

„Die Wilstermarsch erfahren“

Beim Aktionstag „Die Wilstermarsch erfahren“ tauchten die Besucher gestern an vielen Orten in und um Wilster in die Historie ein, erlebten und erfuhren aber auch etwas über moderne Landwirtschaft oder Pläne für die Zukunft. Die Regiobranding-Lenkungsgruppe des Kreises Steinburg hatte zu dem großen Aktionstag eingeladen. Eine Vielzahl von Stationen war eingerichtet worden, um den Besuchern die Besonderheiten, die die Region ausmachen, vorzustellen. Die Eröffnung fand am Neuen Rathaus in Wilster statt. Jürgen Ruge, dem Sprecher der Regiobranding-Lenkungsgruppe, war die Freude anzumerken. „Wir haben lange darauf gewartet, jetzt kann es endlich starten“, sagte er. Denn endlich war es soweit: Der Aktionstag konnte starten. In seiner Eröffnungsrede auf der Treppe des Neuen Rathauses berichtete der Organisator von den vielen Jahren der Vorbereitung. So musste dieses Regiobranding bereits zwei Mal aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Jedoch fanden die Treffen der Lenkungsgruppe weiterhin regelmäßig statt. Auch Bürgermeister Walter Schulz und Amtsvorsteher Delf Sievers dankten den Organisatoren und wünschten den Besuchern viel Spaß. Gleich im Anschluss luden die „Etatsrätinnen“ Karin Labendowicz und Leenke Wolf in tollen Kostümen zu einem Rundgang in den Doos’schen Palast ein. Und auch Holger Stamm führte eine Gruppe Interessierter durch den Bürgermeistergarten. Der Vorsitzende des Wilsteraner Rathausvereins berichtete, dass der Garten der Doos’schen Familie direkt nach dem Bau des Hauses in 1785 entstand und in seiner Grundstruktur heute noch unverändert sei. So seien damals die Marmorstatuen aus dem insolventen Schloss Friedrichsruhe ersteigert worden, genauso wie ein Großteil der Inneneinrichtung des Palais. Derzeit seien Umgestaltungsvorschläge des Bürgermeistergartens in der Prüfung.

Die Begehung des Alten Friedhofs im Stadtpark war ebenfalls Teil des Regiobrandings in Wilster und sollte etwas Besonderes werden. Und das war gelungen. Denn Beritt Mahrt hatte gemeinsam mit den Teamern der Kirchengemeinde die Führung zu einem kleinen Schauspiel gemacht. Neun Jugendliche waren in historische Kostüme geschlüpft und stellten in ihren Rollen die im Stadtpark beerdigten Persönlichkeiten vor und vermittelten so einen wichtigen Teil der Wilsteraner Geschichte. Und mit so viel Resonanz hatten die Organisatoren nicht gerechnet. Bereits zur ersten Führung um 13 Uhr erschienen fast 100 Interessierte und wurden von Beritt Mahrt in den Stadtpark geführt. Dort warteten bereits neben Etatsrätin Doos auch Persönlichkeiten wie der Magister Michaelen Bojen und Bürgermeister Bendix Görries aber auch ein Scharfrichter und ein einfacher Anwohner aus der damaligen Zeit auf die Besucher. Die Jugendlichen waren überrascht über die große Resonanz. „Ich war lange nicht mehr so aufgeregt“, erklärte Fynn Beimgragen, der den Bürgermeister Görries darstellte. Aber von allen Seiten erhielten die jungen Leute viel Lob für ihre Leistung. Auch die Villa Schütt war Teil des Erlebnistags. Als Marcus Schütt 1897 seine Villa in der Etatsrat-Michaelsen- Straße erbauen ließ, ahnte er wohl nicht, dass 125 Jahre später die ganze Stadt sein Anwesen besichtigen würde. Seine Nachkommen und heutigen Besitzer Rüdiger und Birgit Paulsen öffneten die Türen und gaben Informationen zur Geschichte des Hauses. Besucherin Ingrid Jafke (geb. Beckmann) kam im Menkestift zur Welt und wohnt heute mit ihrem Mann Andreas in Brunsbüttel. „Ich wollte hier schon als Kinder gerne mal rein, das ist jetzt wahr geworden und es ist wunderbar“, sagte sie. Historisches Handwerk boten Astrid Geruhn (Schmiede), Otto Prüß (Stellmacherei) sowie Jürgen Vollmert und Hauke Mehlert in Neuendorf-Sachsenbande. Die Maschinen und Werkzeuge der alten Stellmacherei und das Schmieden, heute von Dekorationen, früher von Werkzeugen, lockten zahlreiche Besucher in die Häuser am Dückerstieg. Dahinter erklärte Jürgen Vollmert das Grasmähen mit der Sense und Hauke Mehlert führte das Reinigen von Gräben vor. Die Vorführungen waren auch ein Ziel der „Land- unter-Fahrrad-Tour“, die von Ute Lange angeführt zirka 27 Kilometer unter anderem zum Erlebnishof Strüven, der tiefsten Landstelle und dem Dückerstieg führte. Auch der Beimgraben-Hof in Nortorf-Diekdorf, der in der sechsten Generation heute von Jan Beimgraben bewirtschaftet wird, machte beim großen Aktionstag mit. Dort ging es um die Landwirtschaft von heute, etwa um die Vorgaben, Verordnungen und Bestimmungen, denen der Landwirt mit Milchvieh – mit 80 Kühen unterhält er einen durchschnittlich großen Milchviehbetrieb – unterliegt. Es gab Führungen, und auch die Kinder kamen nicht zu kurz: In einer Schubkarre mit Schrot waren kleine Schätze versteckt. Und bei den zirka sechs Wochen alten Kälbern fachsimpelte der Landwirt mit den Besuchern über die Zucht und Verkaufspreise.

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